
Interpretationen von Lotus String Quartet und Oboist Ivan Podyomov zu den Bildern von Kilian Lipp im Kunsthaus auf dem Gailenberg
Drei lebendige Musikerinnen bewegen sich vor dem Triptychon "Zauberwald", wo drei
durchscheinende Elfenwesen im Geäst geistern. Das Bild an der Wand beginnt zu leben durch die
Schattenbewegungen der Geigerinnen an Violine, Viola und Cello. Umrahmt ist das Frauen-Trio der
japanischen Künstlerinnen Sachiko Kobayashi, Tomoko Yamasaki und Chihiro Saito vom Stuttgarter
Mathias Neundorf an der Ersten Geige, andererseits von dem Russen Ivan Podyomov an der
Oboe.
Beim Konzert im Kunsthaus Lipp auf dem Gailenberg spielen die Fünf soeben das
Quintett für Oboe und Streichquartett F-Dur von Antonín Reicha, dem Prager Böhmen
und späteren Wiener Beethoven-Freund. Doch der Schattentanz der Musikerinnen auf dem
lichtdurchfluteten "Zauberwald"-Gemälde hinter ihnen beim letzten Stück des
Programms ist nur eine der vielen Facetten dieses exquisiten Musiksommer-Events, in luftiger
Höhe, über allen Konzertsälen und Kirchenschiffen.
Die hautnah erlebbare
Umgebung mit den Bildern von Kilian Lipp in seinem Kunsthaus erzeugt bei diesem Konzert geradezu
eine Symbiose aus Bild und Ton: Beim Hören des Eingangsstücks - das Lotus String Quartet
spielt auf atemberaubende Weise Maurice Ravels Streichquartett F-Dur -taucht vorm inneren Auge das
zuvor betrachtete Ölgemälde "Schlucht" auf.
Mit dem angedeuteten
Wasserfall, den hellen Stellen, von düsterem Dunkel umgeben, mit dem schwindelnden Blick in
die Tiefe, dem rätselhaften Rot, das von halber Höhe herabschwebt.
"Tres doux -
Tres rhythmé - Tres lent - Vif et agité" - die vier Sätze dieses einzigen
und einzigartigen Streichquartetts von Ravel charakterisieren die Essenz des Impressionismus,
passen zu Kilian Lipps Bildern schon durch ihre Klassikferne: Konturen sind verwischt, rhapsodisch
klingt das Scherzo-Trio, der sehr langsame dritte Satz wechselt beständig Tonalität und
Rhythmus, schwebt zwischen nicht erkennbaren Schwerpunkten.
Was werden kann, wenn ein junger
Russe aus Archangelsk in Moskau Blockflöte studiert, das zeigt den Zuhörern im
längst ausverkauften Kunsthaus Ivan Podyomov. Seine Interpretation von Georg Philipp Telemanns
Fantasia in a-Moll für Oboe solo beeindruckt durch mächtige Tonsprünge, behände
Arpeggien und gestochen klare Läufe.
Eine "Phantasy for Oboe and String Trio"
von Benjamin Britten ist ein viertes Bravourstück dieser Musiksommer-Künstler aus Tokio,
Moskau (zur Zeit Genf) und Stuttgart: Geige und Bratsche legen scharf skandierend einen
Rhythmus-Teppich, über einem kleinen, wie suchenden Cello-Motiv steigt die Oboen-Melodie auf,
schwingt sich adlergleich in die Höhe.
Ob dazu am besten die Papier-Bilder im Dachgeschoss
passen? "Licht und Finsternis" vielleicht, in Öl auf Papier, mit hellen Flecken, dem
Rot, Gelb und Dunkel?




