Der Hans und sein Konflikt mit der Heimat
Das glückliche Ende weitet sich zur Verklärung: Wie eine keusche Heilige im Strahlenkranz
schließt Annerl, geschmückt mit der Jungfernkrone, vor der Kulisse der Mittelberger
Kirche ihren Hans in die Arme. Ein verlorener Sohn ist ins Walsertal zurückgekehrt, in seine
Heimat.
Heimat, das ist ein Begriff, der in diesem 1930 im Kleinwalsertal, in Oberstdorf
und auf dem Nebelhorn gedrehten Stummfilm nicht nur für Frieden und Idylle steht. Hanns
Beck-Gadens Melodram «Wenn die Abendglocken läuten» erzählt vielmehr vom
Schicksal einiger Außenseiter in der festgefügten Gesellschaftsstruktur eines
Bergtales.
Vergangenen Spätsommer war eine Vorführung des restaurierten Steifens
auf dem Walmendingerhorn mit Live-Musik der Höhepunkt des Walser Filmgewitters. In der Nacht
von Rosenmontag, 23. Februar, auf Faschingsdienstag, 24. Februar, sendet jetzt Arte dieses
früheste erhaltene Beispiel eines im Kleinwalsertal gedrehten abendfüllenden Stummfilms
um 0.45 Uhr - unterlegt mit jener Musik, die am Walmendigerhorn gespielt wurde, und ergänzt um
einige nachträgliche Tonaufnahmen im Studio.
Der britische Komponist und Pianist Steven
Edis, Korrepetitor am Westend-Theater in London, hatte die Begleitung mit Alphornbläsern,
einer Stubenmusik samt Dreigesang und einer Geigerin zusammengestellt. Die Ensembles
interpretierten jeweils zur Handlung passende Stücke und Edis verband diese einzelnen
Bestandteile durch seine Klavierimprovisation.
Ein Experiment, das - wie Dr. Thomas Gayda,
der Initiator des Filmgewitters, noch heute schwärmt - vollauf geglückt sei. Der
Mittelberger Musikhistoriker hatte eine 35-Millimeter-Kopie des Beck-Gaden-Dokumentes im Filmmuseum
München entdeckt. Sie stammte aus dem Nachlass eines Fans und befand sich in schlechtem
Zustand. Für eine Ausstrahlung im Fernsehen (ZDF/Arte) und eine geplante DVD-Edition wurde der
Film gereinigt, digitalisiert und die neue Musik dazu eingespielt.
Sogar das Land Vorarlberg
beteiligte sich mit 5500 Euro an diesem Projekt, rund einem Zehntel der Gesamtkosten. Denn der Film
hat einen hohen dokumentarischen Wert. Durch mehrmaliges Ansehen offenbarte sich mittlerweile aber
auch die künstlerische Bedeutung dieses Werkes von Hanns Beck-Gaden: Nach bisherigem
Forschungsstand, erklärt Gayda, sei es der erste Heimatfilm, der nicht die Landschaft, sondern
die Menschen und ihr Schicksal in den Vordergrund rücke:
Die Bewohner eines Bergtales
geraten in Aufregung, als dort Zigeuner ihr Lager aufschlagen. Die Handlung spitzt sich zu, als
Hans, der Sohn des Bürgermeisters, eine junge Zigeunerin vor falschen Beschuldigungen in
Schutz nimmt. Sein Vater setzt ihn vor die Tür. Doch auch das Leben mit den Zigeunern beschert
dem jungen Mann kein Glück...
Fernsehbild auf Leinwand: Diesen Service bietet das
Hirschegger Naturhotel Chesa Valisa in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar, wenn Arte den Film um
0.45 Uhr sendet (Eintritt frei). Wiederholung des Films auf Arte: 27. Februar, 3 Uhr.


