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Allgäuer Anzeigeblatt

Allgäuer Zeitung

Freitag, 10. September 2010
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
09.02.2010

Fremden Klängen auf der Spur

Bruno Maul war gerade mal 12, als er infiziert wurde - vom Fernwehvirus. Die Nachbarn erhielten Besuch aus Bolivien, und der Bub aus Altstädten fand die «bunten Ponchos», die fremde Lebensart «voll faszinierend». Bis dahin war Bruno mit dem Vater über die umliegenden Berge und Südtirol nicht hinausgekommen. Von der Begegnung mit den Südamerikanern an brannte in ihm der Wunsch, «die Welt zu erkunden». Der vorläufige Höhepunkt seiner Exkursionen: mit Freundin Manuela Wetzel und dem Fahrrad ein Jahr lang durch Balkan und Orient.


Seit Herbst 2008 sind sie wieder im Allgäu und touren
seitdem in der Freizeit mit ihrer Dia-Audio-Show durch
Deutschland. Sie waren in Marburg, Köln, Kiel und Flensburg,
bevor sie sich jetzt vor heimisches Publikum trauten. Mit ihren
ruhigen Dias, dem unprätentiösen Live-Vortrag und der
Original-Musik aus den bereisten Ländern faszinieren sie ihr
Publikum - und Experten. Auf dem Internationalen Reiseabenteuer-
und Diafestival «El Mundo» in Österreich
gelangten sie in der Kategorie «Bester Gesamtvortrag»
auf den zweiten Platz.



Ähnlich wie Bruno Maul hatte auch die Erzieherin und
Montessori-Pädagogin Manuela Wetzel (32) aus Freidorf immer
das Bedürfnis, «von der Welt was zu sehen». Um
die Jahrtausendwende lernte sie Bruno (34) kennen, den gelernten
Schreiner, der 1999 seine eigentliche Berufung in der Fotografie
fand.



In jenem Jahr lief zunächst einiges schief. Maul war
arbeitslos und hatte gerade wegen einer Alkoholfahrt seinen
Führerschein verloren. Aber er rappelte sich auf, machte
sich als Bauschreiner selbstständig und fuhr mitsamt dem
Werkzeug auf dem Radl zur Arbeit. Und merkte, «dass man mit
dem Fahrrad weit kommt». Er sparte sich «das
Allernötigste» zusammen und pedalte nach Portugal zu
einem Freund. Sieben Monate war er unterwegs, um festzustellen:
«Wer viel Zeit hat, braucht wenig Geld.» Mit dabei
war auch die Kamera seines Vaters.



Erlebnis für alle Sinne



Zurück in Deutschland, hatte er den Kopf frei und
absolvierte eine Fotografenlehre. Direkt nach dem Abschluss im
Jahr 2005 reiste der selbstständige Fotograf mit einem
Tontechniker nach Kuba, um dort eine Tonbildschau über junge
Musiker zu erstellen. Die Idee zu dem Projekt hatten Maul und
Wetzel 2002 bei einer Südamerikareise entwickelt.



Es dauerte nicht lange, bis das Paar wieder vom Fernweh gepackt
wurde. Beide waren sich einig, mit dem Fahrrad auf Tour zu gehen.
Maul: «Eine Möglichkeit, die Welt ganz langsam zu
erkunden, mit allen Sinnen - man riecht, man hört, man
spürts auf der Haut.» Manuela Wetzel, inzwischen
Leiterin des Kindergartens Altstädten, kündigte dem
Freiheitsdrang zuliebe den sicheren Job.



Das Interesse an der Musik auf dem Balkan bestimmte die erste
Reiseroute: an der Donau entlang bis zum Schwarzen Meer. Der Weg
führte sie weiter über Istanbul, Syrien, Jordanien nach
Ägypten, wo ein Freund als Tauchlehrer arbeitete. Dort
ließen sie ihre Fahrräder stehen, um - nach zwei
Wochen Suche - «per Anhalter» auf einem Dreimaster
wieder in die Türkei zu segeln. Über Griechenland und
Italien gings dann zurück ins Allgäu.



Sie waren froh, wieder in der Heimat zu sein. «Weil man
irgendwann nicht mehr Kultur aufnehmen kann», sagt Wetzel.
«Der Speicher ist voll.» Und «der ganze Durst
ist gestillt», ergänzt Maul. Manuela, die mittlerweile
an der Montessori-Schule in Sonthofen arbeitet, freut sich, dass
man daheim auch mal die Tür zumachen kann. Auf der
Straße, im Zelt und besonders im Orient fehle doch die
Privatsphäre.



Neugier macht das Leben reicher



Dennoch erinnern sich beide gern an die bewegten zwölf
Monate zurück. Besonders die Begegnung mit den Menschen,
ihre Offenheit hat sie berührt: Die Neugier, das Interesse
an anderen Menschen mache das eigene Leben reicher. Für
Bruno war das Faszinierende, «was Musik für Türen
öffnet und Grenzen sprengt». Für das nächste
Projekt hat das Paar schon wieder mehrere Ideen, «vom
eigenen Land bis über den Ozean». Der Zeitpunkt ist
noch offen.

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