
Rentner bauen für Buben Alphörner
«Es war eine riesige Freude für mich», sagt Elmar Sturm, als er die fertigen
Alphörner an den Musikanten-Nachwuchs übergibt. Der 71-jährige Sonthofer baute
zusammen mit Günther Gerhard aus Bad Hindelang ehrenamtlich drei neue Instrumente. In der
Werkstatt von Schreiner Herbert Wechs werkelten die beiden Rentner unter fachkundiger Anleitung.
Wechs ist einer von zwei Alphornbaumeistern im Allgäu. Sein Enkel Jonas Wechs will gemeinsam
mit seinen Freunden Tobias Stockinger (beide Hinterstein) und Benedikt Berktold (Bad Hindelang) die
Kunst lernen, auf dem einstigen Hirteninstrument zu spielen.
Die Initiative kam vom
Förderverein Sing- und
Volksmusikschule in Bad Hindelang. Hans Weiss und Christoph
Heim,
der ehemalige und der aktuelle Vorsitzende des Vereins, suchten
und fanden
gemeinsam eine Lösung für die drohende
Überalterung der Bläsergruppen in
der Region.
«Alphörner gehören zur Kultur des Ostrachtals,
und die wollen
wir erhalten», sagt Heim, der die ersten
drei Buben für den Unterricht
«handverlesen»
hat.
Den jungen Musikanten wird vom
Förderverein quasi der rote
Teppich ausgerollt. Um die Tradition am Leben zu erhalten,
werden
die Materialkosten der Hörner vollständig
übernommen.
Und die dem Verein angegliederte Kulturstiftung finanziert
den
Unterricht in der Musikschule Berktold im Rahmen der
musikalischen
Früherziehung, die sich der Förderverein
auf die Fahnen geschrieben hat. «Wir
wollen den Stein ins
Rollen bringen und auch weitere junge Leute für das
Instrument
interessieren», ergänzt der 43-jährige
Hindelanger.
Die Buben
selbst strahlen bei der Übergabe der
Alphörner und freuen sich schon, dem
Blasinstrument die
ersten Melodien zu entlocken. Selbstbewusst tönt Tobias:
«Klar krieg ich da einen Ton raus.» Der
17-Jährige wurde von seinem Freund
Jonas Wechs
überzeugt, den Hintersteiner Nachwuchs zu begründen.
Beide sind
schon bei den Schuhplattlern aktiv und träumen
von ihrer ersten Alphornmusik in
Tracht.
Der 16-jährige Jonas durfte beim Bau seinem Großvater
und
den beiden Ruheständlern über die Schulter schauen
und hat großen Respekt
für das Handwerk: «Der
Becher ist die größte Hürde. Da muss man
genau
aufpassen, dass alles passt.» Später will er sich die
Fertigkeit von
seinem Vater Stefan Wechs, der auch Alphörner
baut, beibringen lassen und eine
Familientradition in Hinterstein
fortführen.
Handwerkliche
Herausforderung
Vom Holz kann Elmar Sturm jetzt schon nicht mehr die Finger
lassen. Er hat etwa 30 Stunden in die Hörner für die
Buben investiert. Von Beruf
Schlosser hatte er nur wenig
Mühe, sich auf den Rohstoff Holz umzustellen. «Das
exakte Hobeln hat mich handwerklich am meisten
herausgefordert», erzählt er.
Außerdem
überraschten ihn verschiedene Arbeitsschritte: «Ich
wusste
nicht, dass Alphörner aus zwei Hälften
zusammengeleimt
werden.»
Gerne habe er seine freie Zeit für die Jugend investiert
und
kündigte an: «Wenn das Projekt fortgeführt wird,
will ich wieder
Alphörner bauen.» Laut Christoph Heim
werde der Förderverein die nötigen
Mittel zur
Verfügung stellen, falls sich weitere interessierte
Jugendliche im
Ostrachtal finden.
Herbert Wechs indes, der «alte Hase», macht die
Instrumente mittlerweile seit über 50 Jahren und kennt alle
Tricks und Kniffe. Muss er
auch, denn «wenn eine
Kleinigkeit nicht passt, kommt kein Laut aus dem
Becher.»
1958 hat er drei Hörner aus der Schweiz mitgebracht und so
lange herumgebastelt, bis er eines nachgebaut hatte. «Der
Holzausschuss war riesig,
aber dann war ich stolz.
» Seit 15 Jahren spielt er selbst das
«Urinstrument» in der Blasmusik und freut sich mit
der Jugendinitiative auf eine
rosige Zukunft.


