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Allgäuer Zeitung

Donnerstag, 2. September 2010
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
18.03.2010

Rentner bauen für Buben Alphörner

«Es war eine riesige Freude für mich», sagt Elmar Sturm, als er die fertigen Alphörner an den Musikanten-Nachwuchs übergibt. Der 71-jährige Sonthofer baute zusammen mit Günther Gerhard aus Bad Hindelang ehrenamtlich drei neue Instrumente. In der Werkstatt von Schreiner Herbert Wechs werkelten die beiden Rentner unter fachkundiger Anleitung. Wechs ist einer von zwei Alphornbaumeistern im Allgäu. Sein Enkel Jonas Wechs will gemeinsam mit seinen Freunden Tobias Stockinger (beide Hinterstein) und Benedikt Berktold (Bad Hindelang) die Kunst lernen, auf dem einstigen Hirteninstrument zu spielen.


Die Initiative kam vom Förderverein Sing- und
Volksmusikschule in Bad Hindelang. Hans Weiss und Christoph Heim,
der ehemalige und der aktuelle Vorsitzende des Vereins, suchten
und fanden gemeinsam eine Lösung für die drohende
Überalterung der Bläsergruppen in der Region.
«Alphörner gehören zur Kultur des Ostrachtals,
und die wollen wir erhalten», sagt Heim, der die ersten
drei Buben für den Unterricht «handverlesen»
hat.



Den jungen Musikanten wird vom Förderverein quasi der rote
Teppich ausgerollt. Um die Tradition am Leben zu erhalten, werden
die Materialkosten der Hörner vollständig
übernommen.



Und die dem Verein angegliederte Kulturstiftung finanziert den
Unterricht in der Musikschule Berktold im Rahmen der
musikalischen Früherziehung, die sich der Förderverein
auf die Fahnen geschrieben hat. «Wir wollen den Stein ins
Rollen bringen und auch weitere junge Leute für das
Instrument interessieren», ergänzt der 43-jährige
Hindelanger.



Die Buben selbst strahlen bei der Übergabe der
Alphörner und freuen sich schon, dem Blasinstrument die
ersten Melodien zu entlocken. Selbstbewusst tönt Tobias:
«Klar krieg ich da einen Ton raus.» Der
17-Jährige wurde von seinem Freund Jonas Wechs
überzeugt, den Hintersteiner Nachwuchs zu begründen.
Beide sind schon bei den Schuhplattlern aktiv und träumen
von ihrer ersten Alphornmusik in Tracht.



Der 16-jährige Jonas durfte beim Bau seinem Großvater
und den beiden Ruheständlern über die Schulter schauen
und hat großen Respekt für das Handwerk: «Der
Becher ist die größte Hürde. Da muss man genau
aufpassen, dass alles passt.» Später will er sich die
Fertigkeit von seinem Vater Stefan Wechs, der auch Alphörner
baut, beibringen lassen und eine Familientradition in Hinterstein
fortführen.



Handwerkliche Herausforderung



Vom Holz kann Elmar Sturm jetzt schon nicht mehr die Finger
lassen. Er hat etwa 30 Stunden in die Hörner für die
Buben investiert. Von Beruf Schlosser hatte er nur wenig
Mühe, sich auf den Rohstoff Holz umzustellen. «Das
exakte Hobeln hat mich handwerklich am meisten
herausgefordert», erzählt er. Außerdem
überraschten ihn verschiedene Arbeitsschritte: «Ich
wusste nicht, dass Alphörner aus zwei Hälften
zusammengeleimt werden.»



Gerne habe er seine freie Zeit für die Jugend investiert und
kündigte an: «Wenn das Projekt fortgeführt wird,
will ich wieder Alphörner bauen.» Laut Christoph Heim
werde der Förderverein die nötigen Mittel zur
Verfügung stellen, falls sich weitere interessierte
Jugendliche im Ostrachtal finden.



Herbert Wechs indes, der «alte Hase», macht die
Instrumente mittlerweile seit über 50 Jahren und kennt alle
Tricks und Kniffe. Muss er auch, denn «wenn eine
Kleinigkeit nicht passt, kommt kein Laut aus dem Becher.»



1958 hat er drei Hörner aus der Schweiz mitgebracht und so
lange herumgebastelt, bis er eines nachgebaut hatte. «Der
Holzausschuss war riesig, aber dann war ich stolz.



» Seit 15 Jahren spielt er selbst das
«Urinstrument» in der Blasmusik und freut sich mit
der Jugendinitiative auf eine rosige Zukunft.


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