«Anstrengend, aber machbar»
Gleich zwei bedeutende Klarinettenkonzerte kann der Zuhörer beim heutigen
Eröffnungskonzert des Oberstdorfer Musiksommers erleben. Die Russische Kammerphilharmonie St.
Petersburg und der Schweizer Klarinettist Fabio di Càsola stellen die Konzerte von Carl
Maria von Weber und Wolfgang Amadeus Mozart in den Mittelpunkt der festlichen Veranstaltung. Di
Càsola (43) freut sich schon auf die Herausforderung. Er sprach mit Veronika Krull über
das Programm des Abends.
Unter welchen Gesichtspunkten wurde das Programm für
das
Eröffnungskonzert zusammengestellt?
Fabio di Càsola: Die
Auswahl hat die Kammerphilharmonie in
Absprache mit mir getroffen. Ich war zunächst
etwas
skeptisch: zwei wichtige Konzerte an einem Abend! Das habe ich
bisher noch nie
gemacht. Das ist schon ein bissl anstrengend,
aber machbar. Ich sehe das auch ein wenig als
Herausforderung.
Warum haben Sie sich für das Klarinettenkonzert von Carl
Maria von Weber entschieden? Das Stück wurde ja
ursprünglich als
Klarinettenquintett geschrieben.
Außerdem hat Weber auch ausgesprochene
Klarinettenkonzerte
verfasst.
Fabio di Càsola: Ich habe zum einen das
Klarinettenkonzert
mit der Kammerphilharmonie bereits auf einer CD eingespielt. Und
dann
ist das Stück in der ursprünglichen Fassung nicht
so ein normales
Klarinettenquintett. Da ist eine schöne
Struktur, ein konzertantes System. Die Klarinette
wird da sehr
virtuos eingesetzt, konzertiert mit den anderen Stimmen. Das
Quintett in
Orchesterfassung ist eigentlich mein
Lieblingsstück unter den Klarinettenkonzerten von
Webers. Es
ist viel interessanter, die Struktur passt sehr gut zu meiner
Expressivität, ich fühle mich damit sehr wohl.
Die Liebe zu Benny
Goodmans Musik soll Sie zum Klarinettenspiel
gebracht haben. Welches Instrument haben Sie
vorher bearbeitet?
Ist Ihre Liebe zum Jazz ungebrochen?
Fabio di
Càsola: Ich komme nicht aus einer Musikerfamilie,
aber es gab viele Schallplatten bei
uns zu Hause in Lugano. Und
90 Prozent davon waren Jazzmusik, Dixie und Swing. Den
speziellen
Klang von der Klarinette hatte ich im Kopf. In Lugano gabs damals
kein
Konservatorium, keine Hochschule, und so bin ich in die
Blasmusikschule gegangen und habe
Klarinette gelernt. Einmal habe
ich mit meinem Vater in Lugano ein klassisches Konzert
besucht,
ein Beethoven-Klavierkonzert. Da gab es verschiedene
Klarinetten-Soli, und da
habe ich plötzlich gehört, wie
eine Klarinette im Orchester klingt. Das fand ich
sehr
interessant. Die Liebe zum Jazz gibt es immer noch. Jazz hat
wirklich einen gewissen
Klang - und eine gewisse Freiheit: Die
Position der Lippen und der Hände ist lockerer.
Beim Spielen
von klassischer und zeitgenössischer Musik ist aber eine
gute Kontrolle
für den guten Klang sehr wichtig.
Deshalb spiele ich momentan keinen Jazz -
aber vielleicht in 20
Jahren?
Was ist Ihr nächstes größeres
Projekt?
Fabio di Càsola: Seit fünf Jahren organisiere ich in
Meggen bei Luzern ein Kammermusikfestival in besonderer
Atmosphäre. Das Konzert findet in
einem kleinen Schloss
statt, anschließend gibt es ein Abendessen mit Kerzenlicht.
Das funktioniert sehr gut, die Nachfrage ist groß. Jetzt
möchte ich so etwas
Ähnliches in Zürich probieren.
Ich stehe in Verhandlungen wegen passender
Räumlichkeiten im
Zentrum, vielleicht starten wir schon im Dezember.


