
Immer mehr Jugendliche schlagen zu
Auch im Oberallgäu werden immer mehr junge Leute straffällig und gewalttätig. Diese
Entwicklung zeigte Claudius Schraudolph, Sachbearbeiter für diesen Bereich am Landratsamt, in
der jüngsten Sitzung des Kreistags-Jugendhilfeausschusses auf. Gleichzeitig wies er darauf
hin, dass die nackten Zahlen nicht isoliert bewertet werden sollten. Zu den Ursachen für diese
Tendenzen führe auch, dass geburtenstarke Jahrgänge ins relevante Alter kämen,
Jugenddelikte offensiver als früher angezeigt und stärker verfolgt
würden.
Als Beispiel dafür nannte Schraudolph, dass Bahnbeamte nun
dazu
verpflichtet seien, Kunden ohne Fahrkarte anzuzeigen. Zwar
ist die Zahl der Gewaltdelikte
weiterhin gestiegen (um über
13 Prozent - siehe Grafik), zunehmend spiele Alkohol dabei
eine
Rolle. Während die Sachbeschädigungen gleich hoch
blieben (95), habe
körperliche Gewalt (meist im
Bagatellbereich) zugenommen, nämlich von 163 auf
197.
Auf der anderen Seite aber sei der Drogenkonsum stark sinkend
(von 201
im Jahr 2005 auf 42 im vergangenen Jahr). Auch die
Anzahl der schweren Delikte mit Strafen
über einem Jahr ging
stark zurück. Die präventive Suchtberatung sei
offenbar
sehr erfolgreich.
Als positiv bewertete es der Jugendgerichtshelfer
weiter, dass es
im Vergleich zu den Vorjahren weniger ganz junge Straftäter
unter 14
Jahre gebe (55 Prozent der Verfahren). Im Großen
und Ganzen handelt es sich laut
Schraudolph bei fast der
Hälfte von 1006 Strafverfahren gegen 14- bis 21-Jährige
um Bagatellefälle, die außergerichtlich eingestellt
und zum Beispiel mit
gemeinnütziger Arbeit geahndet werden.
Außerdem müsse beachtet werden, dass es
meist um
vorübergehende Auffälligkeiten bei Jugendlichen gehe,
die «sich
selbst auswachsen im Rahmen einer normalen
Entwicklung».
Als intensiv
und konstruktiv bezeichnete Schraudolph die
Kooperation mit der Staatsanwaltschaft. In rund 20
Prozent der
Verfahren sei die Jugendgerichtshilfe aktiv und biete
konstruktive
Sanktionsmöglichkeiten an - etwa sozialer
Trainingskurs, Suchtberatung,
Täter-Opfer-Ausgleich.
Kein Alkoholverkauf nach 22 Uhr
In
der Diskussion im Ausschuss ging es vor allem um die steigende
Zahl von Delikten unter
Alkoholeinfluss. Dabei wurde ein Verbot
von Alkoholverkauf an Tankstellen nach 22 Uhr
angemahnt. Ein
solcher Antrag ist aber laut der FW-Landtagsabgeordneten Ulrike
Müller am Widerstand der FDP im Landtag gescheitert.
Kaum mehr angeboten
würden Flatrate-Partys. Auch bei der
Kontrolle des Jugendschutzes bei organisierten
Festen habe sich
viel verbessert, hieß es. Schwieriger anzugehen seien
Probleme wie
das «Vorglühen» - Jugendliche
betrinken sich, bevor sie auf ein Fest gehen.
Auch privat
organisierte Feiern machen Probleme.


