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Allgäuer Zeitung

Donnerstag, 15. November 2018
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
30.06.2001

Ideal für ein zentrales Spitzenhotel

Von Peter Schwarz
Oberstdorf Es ist ein Filet-Grundstück, auf dem sich nur einen Steinwurf vom Marktplatz entfernt die Zollschule erhebt. Mit dem heutigen Samstag endet die Geschichte dieser Bildungsstätte der Bundesfinanzverwaltung. Das „Hubertushaus“, wie man in Oberstdorf zu dem Anwesen mit dem Park an der Ecke Freiherr-von-Brutscher-Straße/Fuggerstraße sagt, wird dichtgemacht. Ein eventueller Verkauf hat das Rathaus elektrisiert. Bürgermeister Eduard Geyer will nicht, dass das städtebaulich wichtige Areal in falsche Hände gerät.

Manfred Jäckle findet es „schade, dass man ein solches Objekt aus der Hand gibt“. Seit zehn Jahren ist er Leiter der Zollschule gewesen. Gestern haben die letzten Lehrgangsteilnehmer dem Ort den Rücken gekehrt. Die Aus- und Fortbildungsstätte hatte Jahrzehnte lang Zollanwärter beherbergt, die auf ihren Dienst vorbereitet wurden. Angehende Zoll-Betriebsinspektoren absolvierten hier ihre Abschlussprüfungen. Ministerialbeamte trafen sich zu Dienstbesprechungen. Und sogar Förster drückten hie und da die Schulbank. 1929 hatte die damalige Reichsfinanzverwaltung das Ende des 19. Jahrhunderts gebaute Haus als Erholungsheim für Bedienstete gekauft. Seit Jahrzehnten vervollständigten jedoch Zöllner ihre Kenntnisse in Oberstdorf. Erst 1989, so berichtet Schulleiter Jäckle, wurden die 33 Zimmer mit 50 Betten modernisiert. Die Lehrgangsräume im Haupt- und Nebenhaus sind zum Beispiel voll verkabelt, ideale Voraussetzungen für die Computer-Schulung. Einer Schlankheitskur der Zollverwaltung steht die Schule im Wege. Die für das Oberstdorfer Haus zuständige Oberfinanzdirektion (OFD) Nürnberg weist darauf hin, dass die Ausbildung auf drei große Bildungszentren in Deutschland konzentriert wird. Neben Oberstdorf trifft der Sparkurs noch eine weitere kleine Zollschule in Bayern, sagt Walter Lengert, zuständiger OFD-Gruppenleiter. Allenfalls noch im Juli und August werden am Fuß des Nebelhorns Abwicklungsarbeiten zu erledigen sein. Dann wird die Immobilie ans Bundesvermögensamt weitergereicht, die wie bei aufgelösten Kasernen-Standorten eine neue Nutzung oder einen Verkauf ins Auge fasst. Von den zwölf Beschäftigten der bisherigen Zollschule bis hin zum Küchen-und Reinigungspersonal „wird niemand vor die Tür gesetzt“, bekräftigt der Leiter des Hauptzollamts Lindau, Thomas Cirener. Sie kommen anderweitig unter. Das Hauptzollamt war bislang für die Verwaltung der Einrichtung zuständig. Aber der Strukturreform fällt selbst das Hauptzollamt zum Opfer. Ungewisse Zukunft Dem Tourismusort schmerzen die verloren gehenden 15000 Übernachtungen ebensosehr wie der Verlust einer wichtigen Einrichtung. Aber noch viel schwerer wiegt im Rathaus die Ungewissheit über die Zukunft dieses extrem wertvollen Grundstücks. Mehrmals hat Rathaus-Chef Geyer auch in Zusammenarbeit mit dem Allgäuer CSU-Bundestagsabgeordneten Dr. Gerd Müller bei der Finanzbehörde nachgehakt und sein Bedauern über die Entwicklung zum Ausdruck gebracht. Dabei gibt es ein Gerücht: Wollen sich die in Deutschland stationierten britischen Streitkräfte mit einem Ausbildungszentrum niederlassen? Immerhin steht die Kommune nicht ganz mit leeren Händen da. Selbst wenn es kein Vorkaufsrecht gibt, so muss das Areal bei einem angestrebten Verkauf zuerst der Gemeinde offeriert werden. Zusammen mit den nebenan liegenden gemeindeeigenen Tennisplätzen, deren Einebnung wiederholt überlegt wurde, stünden in strategisch wichtiger Lage mehr als 5000 Quadratmeter parat. Ideale Lage für ein Spitzenhotel, denkt sich jedenfalls Kurdirektor Michael Schmidl seit langem.

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