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Donnerstag, 15. November 2018
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
29.08.2003

Die Leichtigkeit der Toskana

Von Michaela Behr
Immenstadt
Fünf schwarze Figuren strecken die Arme gen Himmel. Sie wirken nicht starr, sind sie auch aus Bronze gegossen. Vielmehr scheinen sie sich beschwingt im Tanz zu wiegen. Die Skulptur im Immenstädter Hofgarten, die zum Wahrzeichen der Kulturgemeinschaft Oberallgäu wurde, stammt von dem Künstler Theo Bechteler. Ebenso die Skulptur des Fischerjungen im Hofgartenteil vis-à-vis oder die Steinrelieftafel an der Berufsschule. Auch für die ehemaligen Sparkassen in Immenstadt und Sonthofen hatte Theo Bechteler Kunstwerke geschaffen.
In diesem Jahr hätte der Bildhauer, ein gebürtiger Immenstädter, seinen 100. Geburtstag gefeiert. Die Leichtigkeit filigraner Figuren ist charakteristisch für sein Werk. Mehrere Monate hatte Bechteler 1959 zu Studienzwecken in Florenz verbracht. Der toskanische Stil sollte ihn derartig prägen, dass sich das Motiv der florentinischen Landschaft Jahre später noch in seinen Kunstwerken wieder findet. Die Weite und räumliche Unbegrenztheit des unbewohnten Landschaftsraums machte Bechteler ebenso zum Teil seines künstlerischen Selbstverständnisses wie Leichtigkeit und Beschwingtheit. 1986 gestaltete der Künstler sein letztes großes Werk: den Schalenbrunnen auf dem Augsburger Bahnhofsvorplatz.
Besonders am Herzen lag Theo Bechteler stets die Kleinplastik. In „Gedanken zu meiner Arbeit“ schrieb er 1985: „Die Kleinplastik hat ihr eigenes Gesetz. Es sollen keine Entwürfe oder Skizzen sein für Großplastik. Die Idee bestimmt das Format, die dann nur in einer darstellenden Größe verwirklicht wird.“ In seinen „Hausplastiken“ perfektionierte der Künstler die Kleinplastik: Diese Häuser bestehen aus filigranen, offenen Strukturen, die der Betrachter mit dem Auge durchschreiten kann.
Theo Bechteler wurde 1903 in Immenstadt geboren. Er machte eine Holzschnitzerlehre in Oberammergau, ging danach zum Bildhauereistudium an die Kunst-Akademie nach Berlin und wurde Meisterschüler von Ludwig Gieß. 13 Jahre lang sollte ihm während des Hitlerregimes die Möglichkeit verwehrt sein, Kunst öffentlich zu zeigen. Nach Kriegsende kehrte der Oberallgäuer nach Immenstadt zurück und schuf frühe Holz- und Steinplastiken. 1950 erhielt er den ersten Auftrag der Stadt Augsburg und entwarf den St. Franziskus-Brunnen. 1956 verließ der Künstler das Oberallgäu dann endgültig und ließ sich in Augsburg nieder. In den Folgejahren gewann er als Mitglied des Deutschen Künstlerbundes, der Darmstädter Neuen Sezession und der Münchner Neuen Gruppe überregional an Bedeutung. 1959 war er der erste Preisträger der wiedereröffneten Villa Romana in Florenz nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die ersten Jahre nach dem Krieg arbeitete der Künstler mit Holz, Gips, Stein und Zinnplastiken. Später spezialisierte er sich auf Bronzen. Um die 500 verschiedene Arbeiten hat Bechteler bis an sein Lebensende entworfen. 1993 starb er im Schaezlerpalais in Augsburg.
„Mein Vater hat für die Kunst gelebt, sie war sein ein und alles, gewissermaßen war er mit ihr verheiratet“, erinnert sich Karl-Georg Bechteler, einer der Söhne des Künstlers. Auch noch im hohen Alter sei er daran interessiert gewesen, sich künstlerisch zu entfalten und sich immer weiterzuentwickeln. Tochter Else Bechteler-Moses charakterisiert ihren Vater als einen „ganz liebenswürdigen und leidenschaftlichen Vater und Künstler“. Die Frage, welches Werk für den Vater selbst von besonderer Bedeutung war, beantwortet sein Sohn zögernd: „Im Wohnzimmer meiner Eltern stand eine Skulptur: Sie zeigte die Florentiner Boboli-Gärten in der für meinen Vater so typischen toskanischen Leichtigkeit. Das Werk war ihm immer sehr wichtig.“

„Theo Bechteler mit Künstlerfreunden und Weggefährten“ – so heißt eine Ausstellung des Kunstvereins Augsburg im Holbeinhaus. Sie ist noch bis zum 7. September, täglich außer Montag, jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

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