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Allgäuer Zeitung

Freitag, 3. April 2020
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
31.03.2004

„150-prozentiger Handwerker“

Von Veronika Krull
Oberstdorf
Heute würde er seinen 100. Geburtstag feiern: der deutsche Maler Erich Cleff der Jüngere. Geboren in Mainz als Sohn des Bildhauers und Malers Erich Cleff der Ältere, lebte der Künstler in Hamburg, Berlin und lange Zeit in Bamberg. Die letzten 20 Jahre seines Lebens verbrachte Cleff junior, der sich vor allem als Porträtist einen Namen gemacht hat, in Oberstdorf. Dort starb er 1983.
„Er war eine dominante Persönlichkeit“, erinnert sich sein erstgeborener Sohn Michael, der als einziges Kind in des Vaters Fußstapfen trat. Der 56-Jährige, der in Bamberg lebt, ist stolz, einer Malerdynastie anzugehören und trägt in dieser Tradition den Künstlernamen „Cleff III“. Er wuchs bei seiner Mutter auf, die sich schon vor seiner Geburt vom Vater getrennt hatte. Doch den Sohn zog es, als er größer war, immer wieder ins Atelier des Vaters. Dort erhielt er auch seine erste Ausbildung.
Strenger Kritiker
„Es war eine andere Welt“, beschreibt Michael Cleff den väterlichen Schaffensort. Dort, unter dem Dach mit seinen großen Schrägfenstern, die das Atelier mit Licht erfüllten, herrschte ein „angenehmes Durcheinander“, auf einem einfachen derben Holzboden waren Sitzecken gruppiert, Staffeleien im Raum verteilt. „Allein schon der Geruch der Farben“ faszinierte den Buben, der seinen Vater bewunderte, auch wenn sich dieser als strenger Kritiker gab und „leider kein Pädagoge“ war.
Erich Cleff hatte seine erste Ausbildung ebenfalls bei seinem Vater genossen. Dieser, 1881 in Rheydt geboren, war Bildhauer und Professor an der Kunstgewerbeschule Elberfeld in Wuppertal und später an der Staatsgewerbeschule Salzburg. Der Sohn vervollständigte seine Studien an der Kunstakademie Düsseldorf, arbeitete in Hamburg und Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem er sich als Maler von Fliegerbildnissen einen Ruf erwarb, zog Cleff junior nach Bamberg. Sein realistischer Porträtstil war auch bei den amerikanischen Offizieren und später bei deutschen Auftraggebern beliebt.
So fertigte Cleff d. J. Konterfeis unter anderem von Ministerpräsidenten, Erzbischöfen und Mitgliedern der Augsburger Familie Fugger. Bekannt wurde Erich Cleff auch für seine Landschaften und Stilleben. „Er ist seinem konservativen Stil treu geblieben“, beschreibt Michael die künstlerische Entwicklung des Vaters, der in seinen letzten Lebensjahren nicht mehr viel gemalt habe. Er sei ein „150-prozentiger Handwerker“ gewesen, der sich aber davor gescheut habe, seine Gefühle in seine Werke einzubringen.
Umzug nach Oberstdorf
Mitte der 60er Jahre heiratete Erich Cleff d. J. ein weiteres Mal und zog mit seiner Frau nach Oberstdorf, die dort ein Anwesen besaß. Nach ihrem Tod ging der Maler abermals eine Ehe ein, der drei Söhne entstammen, von denen freilich keiner eine künstlerische Laufbahn einschlug. Cleff III, der seine Abstammung als Tatsache und nicht als Verpflichtung sieht, hat sich ebenfalls wie sein Großvater, den er nur flüchtig kennen gelernt hat, und wie sein Vater einen Namen als Porträtist gemacht. Modell gesessen haben ihm unter anderem der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog, Schauspieler Heinrich George und Entertainer Thomas Gottschalk.
Werke von Erich Cleff d. J. sind heute allenfalls privat oder in Hotels zu bewundern. Aber im November plant Sohn Michael in Wuppertal eine Ausstellung mit Bildern vom „Clan“. Anlass: sein 57. Geburtstag – denn dann sind Cleff I, II und III zusammen 280 Jahre alt.

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