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Allgäuer Zeitung

Freitag, 22. Maerz 2019
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
05.09.2006

Wenn Bayern in der Sahara läge

Von Christine Kindt
Hirschegg -
Trotz Fußballspiels im Fernsehen und Kameradschaftsabend im Kleinwalsertal füllte sich beim „Walser Filmgewitter“ der Dorfplatz in Hirschegg am Samstag Abend wieder gut mit Zuschauern. Gleich drei Filme waren diesmal zum Thema „Berge, Heimat, Schicksal!“ geboten: Philipp Clarins „Josefs Brüder“, „Die Alpen - Eine Reise durch Bayerisch Afrika“ von Tom Dauer und Malte Roeper sowie Malte Roepers „Klettern am Limit - Die Huber-Buam“. Es handelte sich dabei um drei völlig verschiedene Werke: einen hochemotionalen Kurzfilm, ein Lehrstück über die Entstehung der Alpen und einen Film über zwei Extremkletterer.

Desertierter Soldat

Philipp Clarin, Student an der Hochschule für Film in München, der zur Vorführung seines ersten Spielfilmes gerne ins Walsertal gekommen wäre, musste allerdings wegen einer Grippe absagen. Sein 13-minütiger Kurzfilm „Josefs Brüder“ aus dem Jahr 2005 erzählt eine auf Tatsachen beruhende Geschichte aus dem Chiemgau, die er zunächst als Dokumentation drehen wollte. Doch boten sich ihm so viele Schauspieler aus seinem Bekanntenkreis (darunter auch seine Schwester Anna) an, dass er einen kurzen Spielfilm daraus machte. Die Handlung: Am Ende des letzten Weltkriegs verstecken eine Bäuerin und ihre Tochter einen desertierten jungen Soldaten, der auf der Flucht vor zwei Feldgendarmen ist. Dauert der Aufenthalt des Fremden im kargen Bergbauernhof auch nur ganz kurz, so kommen doch viele Emotionen in dieser Zeit zum Tragen: Die Tochter, sehnt sich nach Kontakt zu anderen Leuten und nach einem Leben außerhalb ihrer engen Umgebung. Sie verliebt sich spontan in den jungen Mann. Die Mutter jedoch, deren eigener Sohn an der Front kämpft, bringt ihren Unmut über den Fahnenflüchtigen zum Ausdruck: Er dürfe seine Kameraden nicht so einfach im Stich lassen. Schließlich, als die Gendarmen fort sind, weist sie ihm die Türe.Sehr stimmungsvoll und einfühlsam bringt Clarin die Gefühle aller Beteiligten zum Schwingen, zeigt die religiöse Eingebundenheit der ländlichen Bevölkerung und ihren Mut. Dazu unterlegt er seinen Streifen mit frommen Chorälen und einer Landschaft in winterlicher Kälte. So ist ein beeindruckendes kleines Werk, entstanden, das nicht nur auf Festivals gezeigt werden sollte.Kaum ein Bayer wird die bayrischen Alpengipfel als „Zugereiste“ bezeichnen - und doch sind sie es, wie der zweite Film des Abends verdeutlicht. Ihre Entstehung. die auf der Kollision der afrikanischen und europäischen Kontinentalplatte beruht, die vor Millionen von Jahren im warmen Tetismeer trieben, beweise es. Umfangreiches Material trugen Tom Dauer und Malte Roeter zusammen, um die Vorgänge anschaulich und plausibel zu machen. Manche Gegenüberstellung, wie es wohl wäre, wenn Bayern in der Sahara läge, oder wenn statt der Kühe hier die Kamele grasen würden, sorgt mit humorvollen Bildern für heitere Momente in dem informativen Film. Eine Geologiestunde, die Freunden der Landschaft viel Interessantes zu erzählen hat, und dies auf sehr unterhaltende Weise schafft.

Unverständliche Alleingänge

„Klettern am Limit - Die Huber-Buam“ heißt der dritte Film des Abends. Er berichtet über zwei Brüder, die als Extremkletterer von sich reden machen. Ihre Passion, die in jungen Jahren am heimatlichen Apfelbaum beginnt, in der Tenne und am Dachboden des Elternhauses weitergeführt wird und heute in meist gemeinsam gemeisterten Routen gipfelt, wird in diesem Portrait vorgestellt. Die Mutter, die beide lieber in normalen Berufen sähe, und der Vater, der die eigene Kletterbegeisterung auf die Söhne übertragen hat, kommen zu Wort. Und dazwischen immer wieder unglaubliche Touren, Expeditionen und ungesicherte Alleingänge von Alex Huber, die wohl kaum mehr zu verstehen sind.Fazit: Ein vielfältiger, interessanter Filmabend, der auf viel Beifall stieß.

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