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Allgäuer Anzeigeblatt

Allgäuer Zeitung

Donnerstag, 13. Dezember 2018
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
16.12.2006

Porträts, Schnitzereien und mehr

Von Gunther le Maire
Oberallgäu -
Ein enger Freund von Johann Georg Grimm aus Bühl am Alpsee war der 1848 geborene Bauernsohn Michael Allgaier aus Faistenoy, der sich am 28. April 1866 in die Antikenklasse der Kunstakademie in München einschrieb und am 6. April 1867 die Matrikel erhielt. Er soll dürftig als Theatermaler gelebt haben, als Grimm ihm 1878 100 Taler sandte, damit Allgaier nach Brasilien nachkommen könne. Rudolf Herz schreibt 1934, Allgaier sei jedoch in St. Louis in Nordamerika gewesen, sei dort erkrankt und 1879 in Hinterschneidt bei Wertach gestorben. Tatsächlich starb Michael Allgaier am 29. März 1889 in Hinterschneidt, Haus Nummer 3, nachmittags um 1 Uhr, laut standesamtlicher Todesnachricht, die sein Bruder Alois überbrachte.Allgaier ist wohl nie in Brasilien gewesen, auch wenn nach brasilianischen Quellen Allgaier mit Grimm und Thomas Driendl aus München in einem Haus gelebt hätten. Allerdings wurden in Brasilien zehn seiner Werke - wohl von seinem Freund Grimm eingereicht - ausgestellt. Herz hat jahrelang versucht, Bilder von Allgaier für das Immenstädter Museum zu erwerben: Notiz am 12. September 1932: Herr Reiter in Klosterbeuren hat von Allgaier zwei Zeichnungen (Vorbereitungen für das Fronleichnamsfest, Porträt seiner Mutter) und ein Skizzenbuch aus dem Krieg. Herz nennt namentlich 17 Ölbilder und mehrere Zeichnungen, darunter „Ecce homo“ - ein Stück sei dem Museum zugesagt.

Frau mit entblößtem Oberkörper

Später notiert er, dass Allgaier anfangs Unterricht im Zeichnen durch den Pfarrer von Mittelberg gehabt habe und benennt als weitere Motive „Frau mit entblößtem Oberkörper“, „Landschaft (schöne Baumgruppe)“, „Bruder Alois“, „Maria mit Jesuskind ganz groß“ und dann 13 Kopien von Murillo, Rembrandt, Rubens, Raffael und van Dyck. Das einzige zugängliche Ölgemälde - ein Porträt seiner Mutter - ist im Museum in Wertach zu sehen. Es ist derzeit für die Grimm-Ausstellung in Immenstadt ausgeliehen. Dort ist auch eine Zeichnung eines Landmannes mit der Angabe „Battipaglia 25.4.1840“, das in einem Rahmen steckte, auf dem (mit den Lebensdaten von Michael): „Akademieprofessor Erich Allgaier“ steht. Auf der Rückseite der Zeichnung befindet sich eine wohl von Grimm stammende brasilianische Felsküstenskizze. Grimm war auch um den 25. April 1840 in der Gegend von Battipaglia (Süditalien), die Beschriftung der Skizze ist aber nicht von seiner Hand.Im 19. Jahrhundert lebte in Zell bei Oberstaufen die Familie Allger, von der Rudolf Herz notiert: „Franz Josef Allger, gestorben 1916, Zell, betätigte sich weniger mit schnitzen, machte kleinere Figuren, auch für Krippen. Ulrich Allger, später in Oberstaufen, gestorben 1920, fertigte auch nur Krippenfiguren, sonst Drechsler und Mechaniker, Rosalie nur gemalt, Barbara erste und beste Schnitzerin, gestorben 1870 im Alter von 27 Jahren, Josepha und Kathrina Schnitzerinnen.“ Die beiden Brüder sollen einige Bildstöcke, aber vor allem Figuren für Hausandachten geschnitzt haben.Ganz nahe, in Genhofen, hatte der Kirchenmaler Xaver Heim, der eher Fassmaler als Künstler war, seine Werkstatt. Er malte mehrere Kirchen dekorativ aus (1862 Langhaus in Ottacker, 1870 Kirche in Aach, 1873 Kapelle Wagneritz). Alles, was er in Unterjoch, Diepolz, Burgberg, Liebenstein, Seifriedsberg und Stein gestaltet hat, wurde später übermalt und vieles, was er neu fasste, später wieder entfernt. 1875 lieferte er die Maria und Johannes der Kreuzigungsgruppe in der Pestfriedhofkapelle in Vorderburg und fasste den Altar. Ein Ölgemälde von ihm soll in Bad Gastein sein.In Kalzhofen wirkte der jung verstorbene Bildhauer Josef Fink (1842 bis 1869).Von ihm stammt die Ölberggruppe in der Ölbergkapelle in Oberstaufen. Im Museum Weiler sind elf sehr gute Zeichnungen: Porträts, Altarskizzen, Akt- und Draperiezeichnungen. Im Kleinwalsertal entdeckte Max Seelenmayer die künstlerische Begabung von Daniel Kessler (1833 bis 1894), nahm den 16-Jährigen mit nach Straßburg und und bildete ihn fünf Jahre lang aus. Nach Gesellenjahren in fremden Landen kehrte „’s Molerle“, wie Kessler genannt wurde, 1860 nach Mittelberg zurück und heiratete die 19-jährige Maria Heim. Sie bekamen 14 Kinder. Kessler erwarb 1891 die Friedemühle mit Sägwerk in Röthenbach und starb dort am 14. August 1894. Im Museum im Kleinwalsertal ist ein Selbstporträt. Er bemalte barocke Walsermöbel und das Orgelgehäuse in Mittelberg („um Gottes Lohn“) und vergoldete Altar und Kanzel in Hirschegg.1912 zog der am 20. März 1863 in Neuburg vorm Wald geborene Justizrat und Notar Johann Knirlberger aus Kelheim nach Sonthofen, ein ausgezeichneter Landschaftsmaler und guter Bergsteiger, Skiläufer, Gitarren- und Flötenspieler. Er starb 96-jährig, am 19. September 1959 in Sonthofen. Von ihm sind eine „Burg Runkelstein in Südtirol“ im Heimathaus in Sonthofen und mehrere Landschaftsbilder in Privatbesitz.Der Schreiner und Bildhauer Alois Schraudolph gestaltete 1873/74 den Burgberger Altar (vergoldet von Xaver Heim) in byzantinischem Stil und schuf die Figuren Hl. Ulrich, Hl. Afra, Gottvater und Engel und sämtliche Verzierungen.

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