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Allgäuer Zeitung

Sonntag, 24. Juli 2016
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal

Feiner Herr beschafft sich Kinderpornos

Der Herr auf der Anklagebank - vornehme Erscheinung, dunkler Anzug und dezente Krawatte - schämte sich vor Richterin Brigitte Gramatte-Dresse in Grund und Boden. Dabei war es widerlichster Abschaum, der den verheirateten Pensionär vor die Schranken des Amtsgerichts brachte. Wegen des Besitzes mehrerer kinderpornografischer Computer-Dateien und Filme schmutzigsten Inhalts wurde der bisher unbescholtene Mann zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Gleichzeitig muss der Angeklagte eine Geldbuße von 6000 Euro entrichten, unter anderem an den Kinderschutzbund.


«Wenn das Leute nicht mehr anschauen würden,
würde es auch nicht mehr produziert», empörte
sich die Richterin gleichermaßen über Nutznießer
und Urheber eines derartigen Missbrauches von Kindern, wie es ihr
in diesem speziellen Fall bekannt wurde, übrigens der zweite
Fall innerhalb weniger Wochen im südlichen Oberallgäu.
«Ich komme mir schäbig vor», beugte der
Angeklagte sein Haupt. Das Urteil nahm er, ohne groß
nachzudenken, sofort an, sodass es mit dem Einverständnis
der Staatsanwältin auch rechtskräftig geworden ist.



Internet-Recherchen des Landeskriminalamts hatten den
Kinderporno-Sammler auffliegen lassen. Eine nachfolgende
Hausdurchsuchung brachte alles ans Tageslicht.



Er war an einer Tauschbörse beteiligt, bei der kriminelle
Szenen heruntergeladen und zugleich weiterverbreitet werden,
dessen Darstellung sich in einer Zeitung verbietet.



Stundenlang im Internet gesurft



Vor Gericht erklärte der zerknirscht wirkende Mann, dass er
bei stundenlangem Surfen im Internet zufällig auf die
Schweinereien gestoßen sei, was ihm weder die
Staatsanwältin noch die Richterin abnahm. Allein schon die
Titel des Download-Verzeichnisses mit eindeutigen Bezeichnungen
hätten einen unschuldigen Internet-Nutzer abschrecken
müssen, befanden Staatsanwältin und Richterin
übereinstimmend. Ein Kriminalbeamter als Zeuge
bestätigte diese Einschätzung.



«Das war eine Riesensauerei von mir», erklärte
der Angeklagte in seinem Schlusswort. Einen Computer wolle er
nicht mehr anrühren, versuchte er, seine manische Fernseh-
und Computersucht nach der Pensionierung darzulegen. Eine
verhängte Geldstrafe über den reuigen Sünder war
nicht möglich. Wer in das Fahndungsraster der
Kinderpornografie gerät, riskiert eine Freiheitsstrafe als
Mindestreaktion der Staatsgewalt.

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