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Allgäuer Zeitung

Samstag, 21. Juli 2018
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
20.02.2009

Der Hans und sein Konflikt mit der Heimat

Das glückliche Ende weitet sich zur Verklärung: Wie eine keusche Heilige im Strahlenkranz schließt Annerl, geschmückt mit der Jungfernkrone, vor der Kulisse der Mittelberger Kirche ihren Hans in die Arme. Ein verlorener Sohn ist ins Walsertal zurückgekehrt, in seine Heimat.

Heimat, das ist ein Begriff, der in diesem 1930 im Kleinwalsertal, in Oberstdorf und auf dem Nebelhorn gedrehten Stummfilm nicht nur für Frieden und Idylle steht. Hanns Beck-Gadens Melodram «Wenn die Abendglocken läuten» erzählt vielmehr vom Schicksal einiger Außenseiter in der festgefügten Gesellschaftsstruktur eines Bergtales.

Vergangenen Spätsommer war eine Vorführung des restaurierten Steifens auf dem Walmendingerhorn mit Live-Musik der Höhepunkt des Walser Filmgewitters. In der Nacht von Rosenmontag, 23. Februar, auf Faschingsdienstag, 24. Februar, sendet jetzt Arte dieses früheste erhaltene Beispiel eines im Kleinwalsertal gedrehten abendfüllenden Stummfilms um 0.45 Uhr - unterlegt mit jener Musik, die am Walmendigerhorn gespielt wurde, und ergänzt um einige nachträgliche Tonaufnahmen im Studio.

Der britische Komponist und Pianist Steven Edis, Korrepetitor am Westend-Theater in London, hatte die Begleitung mit Alphornbläsern, einer Stubenmusik samt Dreigesang und einer Geigerin zusammengestellt. Die Ensembles interpretierten jeweils zur Handlung passende Stücke und Edis verband diese einzelnen Bestandteile durch seine Klavierimprovisation.

Ein Experiment, das - wie Dr. Thomas Gayda, der Initiator des Filmgewitters, noch heute schwärmt - vollauf geglückt sei. Der Mittelberger Musikhistoriker hatte eine 35-Millimeter-Kopie des Beck-Gaden-Dokumentes im Filmmuseum München entdeckt. Sie stammte aus dem Nachlass eines Fans und befand sich in schlechtem Zustand. Für eine Ausstrahlung im Fernsehen (ZDF/Arte) und eine geplante DVD-Edition wurde der Film gereinigt, digitalisiert und die neue Musik dazu eingespielt.

Sogar das Land Vorarlberg beteiligte sich mit 5500 Euro an diesem Projekt, rund einem Zehntel der Gesamtkosten. Denn der Film hat einen hohen dokumentarischen Wert. Durch mehrmaliges Ansehen offenbarte sich mittlerweile aber auch die künstlerische Bedeutung dieses Werkes von Hanns Beck-Gaden: Nach bisherigem Forschungsstand, erklärt Gayda, sei es der erste Heimatfilm, der nicht die Landschaft, sondern die Menschen und ihr Schicksal in den Vordergrund rücke:

Die Bewohner eines Bergtales geraten in Aufregung, als dort Zigeuner ihr Lager aufschlagen. Die Handlung spitzt sich zu, als Hans, der Sohn des Bürgermeisters, eine junge Zigeunerin vor falschen Beschuldigungen in Schutz nimmt. Sein Vater setzt ihn vor die Tür. Doch auch das Leben mit den Zigeunern beschert dem jungen Mann kein Glück...

Fernsehbild auf Leinwand: Diesen Service bietet das Hirschegger Naturhotel Chesa Valisa in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar, wenn Arte den Film um 0.45 Uhr sendet (Eintritt frei). Wiederholung des Films auf Arte: 27. Februar, 3 Uhr.


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