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Allgäuer Zeitung

Donnerstag, 15. November 2018
Eberl Medien GmbH & Co. KG
Unabhängige Tageszeitung für das Oberallgäu und Kleinwalsertal
24.02.2007

Verschwundener Alpenjäger kehrt zurück

Von Gunther le Maire
Bad Hindelang -
Fritz von Kamptz, geboren am 16. Februar 1866 in Glogau, verlor früh seinen Vater, der preußischer Oberstleutnant war, und kam deshalb - zehnjährig - ins Kadettencorps, zunächst nach Wahlstatt, dann in die Hauptkadettenanstalt Lichterfelde bei Berlin. Auf diese kostenlose, mit der militärischen verbundene humanistisch-gymnasiale Ausbildung hatte er als Offizierssohn und Halbwaise Anspruch. Ab 1884 war er auf dem Ehrenbreitstein bei Koblenz, später in Bonn stationiert.Seine künstlerische Begabung war bei ihm schon als Kind erkennbar - und 1889 bewarb er sich erfolgreich an der Düsseldorfer Kunstakademie. Er wurde Schüler der Professoren Hugo Crola (Historienmaler und Porträtist) und Peter Jansen und erhielt bereits als Student beachtliche Porträtaufträge, zum Beispiel ein großes Kaiserbild für das Hotel Kaiserhof oder Bildnisse der Fürstin zu Salm-Salm und ihrer Tochter Marie.Von 1896 an lebte Fritz von Kamptz in England, in Clifton, Hove, Bristol und Brighton. Er malte dort viele Aristokraten und anglikanische Geistliche, vier Altarbilder für die St. Thomas Church in Bristol, einen Christuskopf für die Kirche in Hove, Landschaften und Blumenstücke. Im alten Rathaus von Bristol ist sein großformatiges Werk „Ritterschlag des Lordmayors durch König Georg V.“ zu sehen, auf dem über 100 Porträts der bei der Zeremonie Anwesenden und einiger Nicht-Anwesender abgebildet sind - jeder von ihnen musste seine Verewigung bezahlen. Von Kamptz stellte im Kristallpalast London aus und wurde Mitglied der Northbritish Royal Academy of Arts, was ihm während seiner Internierung im Ersten Weltkrieg auf der Insel Man und in anderen Lagern den Vorteil brachte, ein Atelier und eine Malschule unterhalten zu dürfen.

Zur Erholung ins Ostrachtal

Ab 1918 lebte Fritz vom Kamptz in Lüneburg, nach seiner Hochzeit mit der Tochter eines Superintendenten in Bad Doberan und seit 1927 mit Frau und vier Kindern in Berlin. Um diese Zeit machte er erstmals (und dann immer wieder) zur Erholung der Kinder Urlaub in Bad Hindelang und siedelte sich 1932, mit 66 Jahren, an. Er erwarb eine nicht fertig gebaute kleine Fabrik, brachte in der Werkhalle sein Atelier unter, in den vielleicht ursprünglich als Büroräume vorgesehenen Zimmern seine Familie und vermietete das Obergeschoß an Feriengäste. Von Bad Hindelang aus fuhr er zur Erledigung von Porträtaufträgen bis zur Ostsee. Einen Tag vor seinem 72. Geburtstag am 15. Februar 1938 starb er und wurde in Bad Hindelang begraben.Von Kamptz war vor allem ein gesuchter, viel beschäftigter und sicherer Porträtist. Er wollte „in Auffassung und Farbe“ vornehme Porträts „in ähnlicher Richtung wie die alten Meister ohne ihren braunen Ton“ erreichen. Davon zeugen eine gewaltige Anzahl sehr lebendiger und ausdrucksstarker Bildnisse von Adeligen, Unternehmern, deren Frauen und Kindern in ganz Deutschland, vor allem in Ostpreußen, Mecklenburg, Pommern, Berlin und Thüringen, aber auch in Schweden, wo von Kamptz oft weilte und neben vielen anderen Aristokraten Graf Eric von Rosen sowie Prinz Carl und seine Frau Ingeborg porträtierte. Sein Sven-Hedin-Gemälde hängt heute im Geographischen Seminar der Universität Berlin.Im Allgäu entstanden schöne Landschaften - Hornkapelle, Schleierfall, Blick vom Oberjoch auf die Salzstraße, Jodokuskapelle und viele Skizzen - und Bildnisse von Bürgermeister Anton Schmid und seiner Frau Susanne in historischer Tracht, von Willy Wechs, vom Ehepaar Besler und dem „Alpenjäger Rubar“, das im Sitzungssaal im Rathaus Hindelang hängt. In München gestohlen, danach in Neuseeland von einem Münchner Arzt gekauft, konnte es Bürgermeister Roman Haug von diesem für Hindelang erwerben.Ein Christusbild, das Fritz von Kamptz berühmt gemacht hatte, hing lange Zeit in der Hindelanger Pestkapelle. Der Kunstverlag Hanfstaengl, Berlin, hatte 1928 bis 1932 dieses Bild als Kupferstich breit verkauft, aber das Dritte Reich und die DDR waren dem Umsatz nicht dienlich. Offsetdrucke des Christuskopfes kann man heute wieder in Ofterschwang erwerben. Impressionistische Landschaften aus England, Schweden, Mitteldeutschland und dem Allgäu und Interieurs sind von Kamptz’ zweiter Tätigkeitsbereich: Sehr reizvoll sind seine flott hingeworfenen Ölskizzen.

Großes Fresko

Der dritte Sektor sind religiöse Motive. Er malte für die Kirche in Steinhöfel in Pommern ein größeres Bild an der Orgelempore und sechs Tafeln für die Kanzel, für die Apsis der Adventskirche am Friedrichshain ein (im Krieg zum Großteil zerstörtes) 9 x 15 Meter großes Fresko (Himmelfahrt), Bilder für die Kirchen in Berlin-Lankwitz, für das Gemeindehaus der Liebfrauenkirche in Bremen sein bekanntes „Friede sei mit Euch“ und Pastorenporträts für Lüneburg und Berlin-Lichterfelde. 1986 widmete ihm Bad Hindelang eine Ausstellung im Rathaus. Fritz von Kamptz' zwei Söhne sind im Krieg gefallen, eine seiner beiden Töchter lebt in Schweineberg, Gemeinde Ofterschwang.

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